„Wissen baut das Schiff – Haltung bestimmt den Kurs.“
Iris, wie bist du Trainerin und Coachin geworden?
"Eher auf Umwegen. Ich komme ursprünglich aus der Touristik und bin später in die Pharmabranche gewechselt. Was mich die ganze Zeit begleitet hat: unterschiedliche Führungskräfte und die Frage „Warum läuft’s bei der einen Führungskraft rund – und bei der anderen überhaupt nicht?“ Ich wollte verstehen, warum Zusammenarbeit manchmal funktioniert und manchmal eben nicht. Und ehrlich gesagt habe ich auch oft gedacht: Das würde ich anders machen. Heute, rund 15 Jahre später, begleite ich Unternehmen als Coachin, Trainerin und Sparringspartnerin durch genau solche Entwicklungs- und Veränderungsprozesse."
Hast du eine Antwort gefunden?
"Es gab einen Schlüsselmoment. Ich arbeitete damals in einem Unternehmen, das Führungskräfte intern zu Coaches verwandeln wollte – ohne eine fundierte Ausbildung. Da hab ich gedacht: „Okay, wenn Coaching, dann bitte richtig“ und habe selbst eine Ausbildung zur Coachin absolviert. Danach kam die Trainerausbildung, dann weitere Ausbildungen und irgendwann war klar: Das macht mir richtig Spaß. Ich habe angefangen zu lernen, auszuprobieren und zu hinterfragen – und damit eigentlich nie wieder aufgehört."

„Ich bin eine kleine Rebellin und habe nie alles abgenickt. Für meine eigenen Führungskräfte war das sicher nicht immer einfach.“
Gab es auf deinem Weg Hürden, die du nehmen musstest?
"Oh ja. Als ich dann selbst Führungskraft wurde. Ich war damals überzeugt: Ich mach alles anders, setze auf Eigenverantwortung und darauf, dass das Team mitdenkt. Das ist mir ziemlich um die Ohren geflogen."
„Ich verstehe meine Rolle wie die einer Lotsin: Ich bin an deiner Seite, gebe dir dort Impulse, wo du sie brauchst, und halte mich bewusst zurück, wo du selbst der Experte bist.“
Warum?
"Weil die Kultur im Unternehmen gar nicht auf Eigenverantwortung ausgelegt war. Die Leute waren es gewohnt, Dinge abzuarbeiten – nicht mitzudenken. Und ich kam und wollte plötzlich genau das. Da habe ich verstanden: Führung funktioniert nie losgelöst vom System. Wissen, Methoden und gute Absichten sind wichtig. Aber ob Veränderung gelingt, entscheidet sich oft an der Haltung und daran, ob Menschen wirklich mitgenommen werden."
„Leistung geht nur über Druck – das ist ein Mythos und schlichtweg falsch.“
Führen Frauen eigentlich anders als Männer?
"Ich habe mal an einem Barcamp speziell für Frauen in Führungspositionen teilgenommen. Da hieß es dann zu einer Session, wir sollten als Frau unseren Mann stehen und unsere maskuline Seite stärker ausleben. Da bin ich dann auf die Bühne und habe eine eigene Session eröffnet, mit der Gegenaussage: Wir Frauen haben genug eigene Qualitäten und sollten keine männlichen Attribute nachahmen, um vermeintlich erfolgreich zu sein. Seid doch stattdessen lieber souverän und selbstbewusst mit dem, was ihr als Frauen mitbringt. Aber zurück zur Frage: Ja, vermutlich führen Frauen etwas „Menschenorientierter“ als Männer, ohne dass jetzt jede Frau in einer Führungsposition gleich einen Stuhlkreis bilden will, um über Gefühle zu sprechen. Viel wichtiger als das Geschlecht sind Erfahrung, Charakter und die Klarheit über die eigene Rolle als Führungskraft. "
Wie lässt du diese Erfahrung heute in deine Trainings einfließen?
"Zunächst einmal glaube ich nicht an trockene Trainings mit viel grauer Theorie. Lernen darf leicht sein, es darf Spaß machen und es muss vor allem erlebbar sein. Nur dann bleibt wirklich etwas hängen. Ich gestalte keine Workshops „von der Stange“. Mein Anspruch ist, dass Menschen nach einem Workshop anders handeln können als vorher. Dafür gehe ich nah an die Realität der Teilnehmenden, passe Konzepte flexibel an und spreche auch unbequeme Dinge klar an, wenn es der Lösung dient. Und: Ich halte mich nicht stur an mein Konzept. Wenn ich merke, dass die Gruppe etwas anderes braucht, dann passe ich es an. Oft reicht es schon, die Ansprache und Beispiele an die Realität der Teilnehmenden anzupassen, damit es greifbarer wird. Am Ende geht’s ja nicht darum, dass ich mein Programm durchziehe, sondern dass die Leute etwas mitnehmen, das für ihren Arbeitsalltag relevant und anschlussfähig ist."

„Für mich ist entscheidend, was die Teilnehmenden brauchen. Manchmal wirkt es im Training zunächst so, als ginge es in eine ganz andere Richtung als vorher gedacht. Am Ende zeigt sich aber oft: Es ist genau das, was wir im Vorfeld besprochen haben. Die Mitarbeitenden brauchen einfach das Gefühl, beteiligt zu sein und mitgestalten zu können, um sich wirklich auf den Prozess einzulassen. Dann entsteht die Offenheit, die es braucht, damit am Ende jeder mit dem Gefühl geht: Der Workshop hat wirklich etwas gebracht.“
Welche Themen treiben dich aktuell besonders an?
"Führung, Vertrieb und Zusammenarbeit. Aber eigentlich geht’s immer um die gleiche Frage: Wie denke ich über das, was ich tue? Im Vertrieb höre ich oft: „Ich verkaufe nicht, ich berate nur.“ Und genau da wird’s spannend, weil dahinter oft Glaubenssätze stecken. Bei Führungsthemen ist es ähnlich. Viele rutschen in eine Rolle hinein, ohne sich zu fragen, wie sie eigentlich genau führen wollen. Die fachliche Kompetenz ist dann meist da. Führungskompetenz ist aber etwas ganz anderes. Viele Organisationen stehen heute vor der Aufgabe, Orientierung zu geben, ohne alles kontrollieren zu wollen. Es geht also darum, Klarheit zu schaffen, Verantwortung zu stärken und echte Zusammenarbeit zu ermöglichen. Dazu kommt für mich gerade ein weiteres wichtiges Thema: KI sinnvoll integrieren. Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt massiv. Mich interessiert dabei vor allem, wie wir KI so nutzen, dass sie Menschen unterstützt und nicht ersetzt – auch in Führungs- und Vertriebsprozessen. Dafür braucht es konstruktives Verständnis für kreative Lösungen, aber eben genauso menschliche Haltung."
Gibt es bestimmte Ziele, die du mit deiner Arbeit erreichen möchtest?
"Ja. Ich möchte Räume schaffen, in denen Menschen sich selbst und andere neu sehen. Ich möchte, dass sie ihr Verhalten hinterfragen und den Mut haben, Dinge anders zu machen, als sie es gewohnt sind. Dafür brauchen sie einen sicheren Rahmen. Einen Ort, an dem man ausprobieren darf, ohne direkt bewertet zu werden. Unsere Trainings bei forma mentis bilden dafür den idealen Rahmen. Der schönste Moment ist für mich, wenn jemand sagt: „Jetzt mache ich es anders – und es funktioniert.“ Genau dafür mache ich das."
„Bei forma mentis hat’s einfach gepasst“
Welche Werte sind dir dabei wichtig?
"Integrität, Mut, Klarheit und Freiheit. Ich möchte so arbeiten, dass ich dahinterstehen kann. Und ich will mir den Raum nehmen, Dinge auch mal anders zu machen. Wenn ich merke, dass ein Auftrag nicht passt oder ich gegen meine Überzeugung handeln müsste, dann lasse ich ihn auch los. Das tut manchmal weh, auch finanziell. Aber langfristig ist es genau richtig. Mir geht es nicht um Beschäftigung. Mir geht es um Wirkung. Und es darf Freude machen."
„Ich will mich nicht verbiegen.“
Warum hast du dich eigentlich für forma mentis entschieden?
"Die erste Zusammenarbeit entstand eher zufällig im Verlauf eines großen Projekts, an dem 25 Trainer parallel gearbeitet haben. Dabei habe ich dann auch Thomas kennengelernt und mich später mit ihm darüber ausgetauscht, mit wem aus dem großen Team wir gut zusammenarbeiten könnten. Thomas und ich haben dann jeweils die gleichen Namen genannt. Das zeigte schon, dass wir ähnlich ticken. Hinzu kommt, dass ich Thomas und dem gesamten Team vertraue. Gerade das gegenseitige Vertrauen ist etwas, das ich mit forma mentis verbinde, und dieses Vertrauen ist nicht selbstverständlich – gerade in unserer Branche. Ich mag außerdem das gemeinsame Ausarbeiten von Konzepten, den Austausch im Team und natürlich auch die Kunden, häufig aus der Pharmabranche. Da passt für mich sehr viel zusammen."

Wie würdest du deine eigene Persönlichkeit beschreiben?
"Ich bin vielleicht nicht besonders strukturiert, dafür aber klar. Ich spreche Dinge direkt an. Das hilft vielen, kann aber auch mal anecken. Gehört dazu. Ich habe früh gelernt, mich auf neue Situationen einzustellen, ohne mich selbst zu verlieren. Durch viele Umzüge und Schulwechsel habe ich schon als Kind erlebt, wie aus einer „Exotin“ eine Zugehörige werden kann – und irgendwann auch eine, die vorangeht. Diese Erfahrung hilft mir heute sehr. Ansonsten bin ich eher gelassen. Es braucht viel, um mich aus der Ruhe zu bringen. Außer vielleicht Technikprobleme. Da hört der Spaß auf und manchmal habe ich schon das Bedürfnis, den Laptop aus dem Fenster zu werfen (lacht)."
„Wir sitzen alle im selben Boot – wortwörtlich.“
Wann geht es dir gut und was brauchst du, um voll in deiner Kraft zu sein?
"Es geht mir gut, wenn ich mit inspirierenden Menschen zusammen bin. Ich merke immer wieder: Im Austausch entstehen die besten Ideen. Wenn man gemeinsam Themen weiterentwickelt und auch mal komplett außerhalb der eigenen Bubble denkt, entsteht eine besondere Energie. Voll in meiner Kraft bin ich, wenn ich mit Menschen, die Lust auf Entwicklung haben, an Themen arbeite, die wirklich etwas bewegen. Im Training liebe ich die Momente, wenn es „Klick gemacht“ hat und ich merke, dass sich jetzt wirklich etwas in den Köpfen verändert."
Was machst du aktuell außerhalb von forma mentis?
"Ein Herzensprojekt ist mein Hausbootkonzept. Darauf biete ich seit Mai 2026 Workshops an – vor allem zu Führung, Strategiearbeit und Teamentwicklung. Die Idee ist, Lernen wirklich erlebbar zu machen. Die Teilnehmenden arbeiten zusammen auf engem Raum, übernehmen Verantwortung, wechseln die Perspektive, reflektieren ihr Verhalten und übertragen das direkt auf ihren Alltag. Das Boot ist dann nicht nur ein schöner Ort auf dem Wasser, sondern ein echter Erlebnisraum für neue Denkweisen. Denn manchmal verändert sich der Blick auf die Dinge schon dadurch, dass man den Ort verändert. Und privat? Alles, was mit Wasser zu tun hat: Hausboot, SUP, Reisen und Sport."

Und wenn der Plan nicht funktioniert?
"Dann ziehe ich eben selbst auf das Hausboot und mache mir eine schöne Zeit (lacht). "
Hast du eine Art persönliches Motto?
„Erdachtes mag zu denken geben – Erlebtes wird beleben und bewegen.“