„Niemand ist Statist in meinem Leben.“

Tarn T. Turner

Im Gespräch mit Tarn T. Turner von forma mentis

Er hat Unternehmen gegründet, Innovationen angestoßen, juristische Schlachten überstanden – und sich schließlich für einen Beruf entschieden, der für ihn mehr ist als ein Job. Heute ist Tarn T. Turner Trainer und Coach bei forma mentis und begleitet Kunden aus ganz verschiedenen Branchen. Ein Gespräch über Zufälle, Haltung, Klartext und darüber, warum nachhaltige Veränderung oft mehr braucht als ein Zwei-Tage-Seminar.

Tarn, warum bist du Trainer geworden?

"Wenn ich ganz ehrlich bin: Es war Zufall. Ich hatte 2010 gerade mein Unternehmen verkauft – aus Überlastung, aus Frust und aus einem Zustand heraus, den man wohl rückblickend als Burnout bezeichnen würde. Ich hatte eigentlich keine Lust mehr auf irgendetwas. In dieser Phase habe ich Thomas kennengelernt. Er sagte zu mir: „Mit deiner Historie und deiner Führungserfahrung wäre eine Aufgabe als Trainer doch genau dein Ding.“ "

Das kam sicher überraschend.

"Klar - ich konnte mir das zunächst überhaupt nicht vorstellen. Aber ich hatte Zeit. Also bin ich einfach mal mitgefahren, habe hospitiert und mir Trainings angeschaut. Und dann kam der Sprung ins kalte Wasser."

Wie sah der aus?

"Am Abend vor einem großen Training schob mir Thomas den Trainerleitfaden rüber und sagte: „Das machst du morgen.“ Und genau das habe ich dann auch gemacht. "

Wie ist es gelaufen?

"Ich fand es furchtbar. Aber: Die Teilnehmenden fanden es großartig und Thomas auch. In dem Moment dachte ich: Vielleicht steckt da doch mehr drin. "

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Was geschah dann?

"Es folgte ein echter Weiterbildungsmarathon – unter anderem in gewaltfreier Kommunikation, systemischem Coaching und Veränderungspsychologie. Eine Menge Arbeit also, die sich aber nie so richtig nach Arbeit angefühlt hat."

„Mit meiner Arbeit will ich einen Unterschied machen, Wirkung erzielen und vor allem etwas nachhaltig in Bewegung bringen.“

Warum?

"Weil ich auch heute - nach fast 16 Jahren bei forma mentis - noch genauso motiviert bin wie am ersten Tag. Das konnte ich von keinem meiner früheren Jobs behaupten und es ist ein unglaubliches Geschenk, wenn man wieder echte Leidenschaft für den eigenen Beruf empfindet. "

Was fasziniert dich an deiner Arbeit am meisten?

"Mich zieht das Miteinander von Menschen magisch an. Welche Dynamiken entstehen? Wann funktioniert Kommunikation – und wann nicht? Liegt es an der Wortwahl, an der Körpersprache oder an der inneren Haltung? Diese Ebenen zu verstehen und mit ihnen zu arbeiten, begeistert mich bis heute. Und vor allem: Wenn ich merke, dass das, was ich tue, einen Unterschied macht. Wenn Menschen aus dem Training gehen und sagen: „Jetzt ist etwas anders.“"

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„Ich lasse mich nicht instrumentalisieren oder manipulieren. Das passt nicht zu unseren Werten und das kommunizieren wir auch ganz deutlich.“

Du hast eben erwähnt, dass du vor deiner Zeit bei forma mentis selbst Unternehmen geführt hast. Was hat dich dahin gebracht?

"Ich habe 1999 eine Agentur für Website-Gestaltung gegründet – damals war „Internet“ noch ein Buzzword. Später habe ich gemeinsam mit einem Partner eines der ersten Fotobuch-Unternehmen in Deutschland aufgebaut. Wir haben mit den großen Playern am Markt gearbeitet, uns aber bewusst gegen eine engere Bindung entschieden. Das kam leider nicht bei allen gut an und wir wurden massiv juristisch angegriffen – also mit Unterlassungsklagen, Patentklagen und Ähnlichem. Dieser permanente Druck hat mich persönlich stark belastet. 2010 habe ich dann die Reißleine gezogen und bin ausgestiegen. Rückblickend war dies mein erster Schritt auf dem Weg zu forma mentis, was wieder einmal beweist, dass aus vermeintlichen Rückschlägen etwas Großes entstehen kann. "

Was verbindet dich besonders mit forma mentis?

"forma mentis ist ein Team, das meine Haltung teilt. Dazu gehören Werte wie Verlässlichkeit, Fairness und echtes Teamwork. Ich arbeite deshalb heute fast ausschließlich für forma mentis, weil ich mich dort fachlich wie menschlich zuhause fühle. Ein weiterer wichtiger Grund ist Thomas, unser Geschäftsführer."

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Was zeichnet die Arbeit mit Thomas für dich aus?

"Ich habe mich ursprünglich selbstständig gemacht, weil ich gerne eigenständig und eigenverantwortlich arbeite. Außerdem habe ich schlechte Erfahrungen mit den damaligen Führungskräften gemacht, für die ich arbeiten musste. Thomas ist da ganz anders. Er ist anspruchsvoll, zugleich aber auch wertschätzend, respektvoll und jemand, der vorangeht. Einfach gesagt: Hätte ich damals jemanden wie Thomas als Entscheider im Unternehmen vor mir gehabt, wäre ich vermutlich nie in die Selbstständigkeit gegangen."

Welche Themen reizen dich heute als Trainer und Coach besonders?

"Kommunikation in all ihren Facetten. Vor allem Lernvideos und Formate, die Menschen helfen, im Alltag anders miteinander umzugehen. Mich interessiert also weniger die rhetorische Oberfläche, sondern eher das echte Miteinander und eine nachhaltige Wirkung unserer Arbeit."

Stichwort Wirkung: Viele Unternehmen machen die Erfahrung, dass Trainings höchstens einen kurzfristigen Effekt haben. Warum ist das so?

"Weil sie nicht nachhaltig gedacht sind. Ein Zwei-Tage-Seminar verändert kein Unternehmen. Es setzt Impulse, schafft Bewusstsein und bietet vielleicht erste Praxiserfahrungen. Aber Verhaltensänderung braucht Wochen, manchmal sogar Monate. Wir bieten deshalb immer Learning Journeys an: Vertiefungen, Follow-ups, Videos und Reflexionsschleifen. Doch oft werden genau diese Maßnahmen aus Kostengründen gestrichen. Das ist, als würde man im Fitnessstudio einmal Gewichte heben und erwarten, dass man dauerhaft Muskeln bekommt. Die nachhaltige Wirkung unserer Trainings ist deshalb eines meiner Herzensthemen."

„Ich spreche gerne Klartext. Denn wer nicht ehrlich zu sich selbst und seinem Team ist, tut sich keinen Gefallen. Klarheit ist deshalb ein echter Nutzen, den wir unseren Kunden bieten.“

In euren Trainings und Coachings stellt ihr euch individuell auf die Menschen ein, mit denen ihr arbeitet. Wo machst du keine Kompromisse?

"Ich lasse mich nicht instrumentalisieren. Wenn Unternehmen versuchen, über Trainings Führungsthemen zu kaschieren oder Trainer für strategische Spielchen zu nutzen, bin ich raus. Das gilt besonders für Vertriebstrainings. Für mich hat Vertrieb mit Bedürfnissen zu tun – nicht mit Manipulation. "

Du sprichst da aus Erfahrung?

"Ja. Ich komme selbst aus dem harten Strukturvertrieb. Telefonbuch, 20.000 Namen, los geht’s. Ich kenne diese Welt. Und ich weiß, wie schnell Vertrieb in eine ethisch problematische Richtung kippen kann. Und genau deshalb mache ich da keine Kompromisse."

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Warum sollten Menschen mit dir als Trainer und Coach zusammenarbeiten?

"Ganz einfach: Ich erzeuge Wirkung. Ich denke immer das Business-Ziel mit, aber verbinde es mit den Menschen, die vor mir sitzen. Ich kenne Druck, Zielvorgaben und politische Dynamiken. Ich weiß, woran Veränderung scheitert. Und ich weiß, wie sie dennoch gelingen kann. Und vielleicht hilft mir dabei auch meine Herkunft: Ich bin gebürtiger Dortmunder. Klartext gehört für mich dazu, ohne mein Gegenüber vor den Kopf zu stoßen. "

„Nur wer für sich selbst Verantwortung übernimmt, kann etwas bewirken und kommt voran.“

Gibt es etwas, was du konkret in jeder Zusammenarbeit erreichen willst?

"Weniger Ausreden. Mehr Verantwortung. In Trainings höre ich oft: „Das funktioniert bei uns nicht, weil …“ In 90 Prozent der Fälle ist das eine Schutzbehauptung. Jeder Trainer bei forma mentis kommt aus der Praxis. Wir kennen die Probleme in den Unternehmen und wir kennen auch die Ausreden. "

Hast du einen Tipp, wie man aufhört, nach Ausreden zu suchen?

"Ja. Als Erstes sollte man sich selbst immer wieder reflektieren und dann mehr Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen. Klingt einfach, ist es aber natürlich oft ganz und gar nicht. Unsere Trainings sind da eine große Hilfe. "

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Erzähl uns noch etwas mehr über dich. Was zeichnet dich als Mensch aus?

"Ich bin, wie bereits erwähnt, sehr freiheitsliebend. Und ich habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Ungerechtigkeit macht mich wütend. Gleichzeitig bin ich ein zutiefst empathischer Typ. Mir ist wichtig, dass es den Menschen um mich herum gut geht – im Training genauso wie privat. Wenn meine Bedürfnisse nach Gerechtigkeit, Respekt und Freiheit erfüllt sind, bin ich in meiner Kraft."

Wo bist du verwurzelt?

"Ich lebe mit meiner Familie in Horn-Bad Meinberg im Teutoburger Wald. Meine Frau und ich haben dort ein Fachwerkhaus von 1792 – das ist ein ganz eigenes Lebensprojekt. Außerdem bin ich mit 55 Vater geworden. Für mich ist das ein riesiges Geschenk und ich genieße es sehr, meiner Tochter die Welt zu zeigen. In meiner Freizeit fahre ich gerne Mountainbike, bin ausgebildeter Fallschirmsportlehrer und Tandem-Master – und habe zwei gerettete Hunde aus Spanien. "

Hast du so etwas wie ein persönliches Motto?

„Niemand ist Statist in meinem Leben. Jeder Mensch ist wichtig.“

Das sagt Thomas über mich

„Tarn und ich haben uns 2010 bei einer Männer-Vision-Quest kennengelernt und schnell entschieden, zusammenzuarbeiten. Neben unserer Freundschaft verbindet uns vor allem eine gemeinsame Haltung zu Vertrieb und Training. Gerade während der Corona-Zeit war Tarn für unser Team eine unentbehrliche Stütze: Er hat unsere digitale Transformation maßgeblich vorangetrieben. Heute ist er nicht nur Trainer und Coach, sondern auch eine wichtige Säule hinter den Kulissen – von Konzeption über Corporate Design bis hin zur Website.“
Thomas Thielen