Nina, wie bist du eigentlich Trainerin und Coachin geworden?
"Das war tatsächlich kein geradliniger Plan. Vielmehr hat sich mein Weg aus dem entwickelt, was mir Freude bereitet hat und wo ich gemerkt habe, dass ich wirksam bin. Schon in meiner Zeit als Führungskraft bei einer großen Privatbank hat mir das Begleiten und Empowern von Menschen besonders viel bedeutet. Ich war oft mehr „Entwicklungskomplizin“ als klassische Chefin. Später, als ich Qualifizierungsprozesse im Rahmen der Fusion zweier Großbanken verantwortet habe, konnte ich diese Rolle noch stärker leben. Mit meiner Coaching-Ausbildung im Jahr 2010 hat sich dann eine ganz neue Welt für mich geöffnet. Ich wusste sofort: Genau so möchte ich mit Menschen arbeiten – mit diesem Menschenbild, mit dieser Haltung. Und das darf ich nun seit über 16 Jahren tun."

„Ich bin überzeugt, dass nachhaltige Veränderung immer im Miteinander entsteht. Teamentwicklung ist für mich deshalb auch immer Kulturentwicklung.“
Deine beruflichen Wurzeln haben also erst einmal wenig mit Coaching oder Training zu tun.
"Ich komme wie angedeutet ursprünglich aus dem Bankwesen und habe dort alles von der Pike auf gelernt – vom Service über den Vertrieb bis hin zur Führung. Diese Zeit hat mich sehr geprägt. Parallel dazu gab es auch immer wieder andere Erfahrungen, die mir wichtig waren. Zum Beispiel habe ich eine Zeit lang naturwissenschaftliche Kurse für Kinder gegeben – eine ganz andere Zielgruppe, aber ebenfalls unglaublich bereichernd."
Was bedeutet forma mentis für dich?
"Vor allem: die Menschen. Es ist ein Netzwerk aus großartigen, engagierten Kolleginnen und Kollegen, die sich mit ihrer ganzen Persönlichkeit einbringen. Ich schätze die Zusammenarbeit sehr – auch, weil hier Professionalität und Menschlichkeit so gut zusammenkommen. Und es gibt immer etwas zu lachen. Das macht es besonders. "

Was zeichnet deine Arbeit heute besonders aus?
"Mir geht es weniger um reine Wissensvermittlung, sondern vor allem um Erfahrungsräume. Ich bringe Menschen in die Selbstreflexion und in den echten Dialog miteinander. Dabei folge ich eher dem Prozess als einem starren Plan. Es ist mir wichtig, dass Menschen neue Beziehungserfahrungen machen – mit sich selbst und mit anderen. Ich begegne ihnen dabei ohne Vorannahmen oder Bewertungen. Und ich glaube, dass meine Leichtigkeit und Energie dazu beitragen, dass sich Menschen öffnen und mitgehen können."
Welche Themen treiben dich dabei besonders an?
"Mein „Zuhause“ ist das Wachstumsfeld von Beziehungen. Genau dort begleite ich Menschen und Organisationen – in der Team-, Führungs- und Persönlichkeitsentwicklung. Ich bin überzeugt, dass nachhaltige Veränderung immer im Miteinander entsteht. Teamentwicklung ist für mich deshalb auch immer Kulturentwicklung. Dort wird sichtbar, wie wir miteinander umgehen, wie wir arbeiten und wie wir wachsen können."
Hast du eine bestimmte Vision, was du mit deiner Arbeit bewirken möchtest?
"Ich möchte Menschen neugierig machen – auf sich selbst und auf andere. Mir geht es darum, Führungskräfte in ihrer Selbstführung zu stärken und Teams dabei zu unterstützen, bewusster, klarer und kokreativer zusammenzuarbeiten. Wenn Menschen beginnen, sich selbst besser zu verstehen und dadurch auch andere anders sehen können, entsteht echte Veränderung."

Welche Haltung ist dir dabei besonders wichtig?
"Ich schaffe sichere Räume, in denen Entwicklung möglich ist. Räume, in denen Menschen sich gesehen fühlen, sich öffnen können und ihren nächsten Schritt gehen. Dabei sind mir Bewusstheit, Klarheit und Achtsamkeit wichtig. Ich möchte Brücken bauen, wo Trennung ist, Unterschiede integrieren und Menschen ermutigen, sich selbst und anderen mit mehr Offenheit zu begegnen. Und gleichzeitig bleibe ich selbst Lernende – immer wieder im Anfängergeist."
„Ich möchte Menschen ermutigen, sich selbst und anderen mit mehr Offenheit zu begegnen.“
Was liebst du an deinem Job – und was eher weniger?
"Ich mag Menschen einfach. Ich bin neugierig auf das, was sie ausmacht – auf ihre Stärken, ihre Zweifel und ihre Geschichten. Die Arbeit mit Gruppen, Teams und Einzelpersonen erfüllt mich sehr und gibt mir ein starkes Gefühl von Sinn. Ich kann wirklich sagen: Ich habe meinen Traumjob gefunden. Und ja – wenn ich nachts verspätet mit der Bahn unterwegs bin, darf es auch mal anstrengend werden."

Gibt es Dinge, bei denen du keine Kompromisse machst?
"Ich bin eher ein „Sowohl-als-auch“-Mensch als jemand, der in Schwarz-Weiß denkt. Aber wenn Werte sehr stark auseinandergehen – vor allem, wenn Menschen andere abwerten oder respektlos behandeln – dann wird es für mich schwierig. In solchen Momenten versuche ich bewusst, mein Herz offen zu halten und mit Mitgefühl zu schauen. Das gelingt nicht immer sofort, aber immer öfter."
Wie würdest du dich selbst als Mensch beschreiben?
"Ich würde sagen: Freude, Tiefgang, Freundlichkeit, Klarheit und Achtsamkeit. Für mich passt das gut zu meinem inneren Dreiklang: Lernen. Lassen. Lachen. Wenn es mir gut geht, merkt man das an meinem Lachen, meiner Neugier und meiner Zuversicht. Und ich bin besonders in meiner Kraft, wenn ich ganz im Moment bin und mich in echter Verbindung mit anderen erlebe."
Wie verbringst du deine Zeit außerhalb der Arbeit?
"Beruflich liebe ich die Zusammenarbeit in Netzwerken und beschäftige mich intensiv mit Themen wie emotionaler Intelligenz und Persönlichkeitsentwicklung. Außerdem habe ich die große Freude, im Ausbilderteam von Dietz Coaching mitzuwirken. Privat bin ich am liebsten draußen in den Bergen oder am Wasser. Wenn ich wählen darf, dann auf einem Segelboot in Griechenland. Diese Leidenschaft teile ich zum Glück mit meinem Mann und unseren erwachsenen Söhnen. Glück bedeutet für mich aber auch ganz einfache Dinge: gemeinsam am Küchentisch sitzen, gute Gespräche, Spieleabende oder einfach ein ruhiger Moment auf der Couch. Und Bücher gehören immer dazu – Lernen ist für mich ein echtes Lebenselixier."
Zum Abschluss: Hast du ein persönliches Motto?
Da gibt es zwei, die mich schon lange begleiten: „Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag“ nach Charlie Chaplin und „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ von Martin Buber. Ich finde, beide bringen ziemlich gut auf den Punkt, worum es mir geht.