„Ich begleite Menschen in ihrem inneren Kosmos.“

Roland Wagner

Im Gespräch mit Roland Wagner: Trainer und Medienexperte bei forma mentis

Vom Journalisten zum Coach: Roland Wagner kennt die Kraft der Fragen wie kaum ein anderer. Seit fast 20 Jahren begleitet er Menschen auf ihrem Weg – oft dort, wo es unbequem wird. Ein Gespräch über innere Barrieren, Begegnungen und warum echte Entwicklung immer bei uns selbst beginnt.

Roland, warum hast du dich für forma mentis entschieden?

"Weil ich hier eine Mischung finde, die selten ist: Ehrgeiz und psychologische Tiefe. Und weil ich hier Menschen treffe, die sich nicht nur als Trainer zeigen, sondern auch als Menschen. Das passt sehr zu meinem Verständnis von Arbeit auf Augenhöhe."

Und wie bist du selbst Trainer und Coach geworden?

"Eigentlich wurde ich dazu „gebracht“. 2003 hat mich die ARD.ZDF Medienakademie angesprochen. Ich war damals Journalist beim SWR und sie sagten mir, ich würde Interviews „anders“ führen – und wollten genau diese Art in ihre Trainings holen. Ich dachte zunächst: Okay, ich bringe jetzt anderen bei, wie ich arbeite. Aber in der Trainerausbildung habe ich schnell gemerkt, dass es um viel mehr geht. Da hat sich für mich ein völlig neuer Kosmos geöffnet: Menschen auf ihrem Entwicklungsweg zu begleiten. Und dieser Kosmos fasziniert mich bis heute."

forma mentis · Coaching & Training · Interview mit Roland Wagner

„Coaching ist keine Einbahnstraße, sondern sollte immer eine Begegnung auf Augenhöhe sein.“

Was hat dich besonders an diesem „Kosmos“ gepackt?

"Die Arbeit mit Barrieren – inneren wie äußeren. Jeder Mensch trägt innere Hindernisse in sich und begegnet gleichzeitig äußeren. Oft hängen beide eng zusammen. Ich habe schnell gemerkt: Wenn man damit wirklich arbeiten will, braucht es mehr als nur Methodenwissen. Also habe ich eine systemische Coachingausbildung gemacht und später noch eine fundierte psychotherapeutische Weiterbildung. Heute kann ich mich sicher im Grenzbereich zwischen Coaching und Therapie bewegen. Ich erkenne, wann ein Coaching reicht und wann jemand besser in ein therapeutisches Setting gehört. Das gibt mir eine große Klarheit und Tiefe in der Arbeit."

Dein eigener beruflicher Werdegang war aber alles andere als vorgezeichnet?

"Als Kind wollte ich eigentlich Pilot werden. Während meines Zivildienstes im Rettungsdienst war mein Traum dann, als Notarzt zu arbeiten. Am Ende hat sich meine dritte große Leidenschaft durchgesetzt: Schreiben und Journalismus. Ich habe Politik und Rechtswissenschaften studiert, ein Volontariat beim Süddeutschen Rundfunk gemacht und dann rund 20 Jahre beim SWR gearbeitet. Ich habe moderiert, Interviews geführt und Bühnenveranstaltungen begleitet – von hartem, politischem Journalismus über Kulturthemen und Talkformate bis zur Filmpreisverleihung. Und parallel dazu begann meine Entwicklung zum Coach, unter anderem als „Fernseh-Coach“ für ARD und SWR. Den Traum vom Fliegen habe ich mir übrigens doch erfüllt: Seit 2001 fliege ich Gleitschirm."

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Was zeichnet dich als Trainer heute aus?

"Mir wird oft gespiegelt, dass in meinen Gruppen sehr schnell eine vertrauensvolle Atmosphäre entsteht – tief, aber gleichzeitig locker. Ich glaube, das ist eine wichtige Voraussetzung für echte Entwicklung. Menschen öffnen sich, reflektieren sich selbst und kommen dadurch weiter. Mir ist wichtig, dass sich diese Tiefe und Humor nicht ausschließen. Im Gegenteil: Sie ergänzen sich. Es darf ernst sein und gleichzeitig leicht."

„Ich bin kein Guru. Stress, Fehler oder herausfordernde Situationen kenne ich selbst und genau das macht meine Arbeit als Trainer glaubwürdig.“

Hast du als Coach einen besonderen USP?

"Ich arbeite konsequent auf Augenhöhe. Für mich ist Coaching keine Einbahnstraße. Natürlich habe ich Erfahrung und Expertise – aber gleichzeitig bin ich immer auch Lernender. Ich mache Fehler, ich kenne Stress und ich kenne schwierige Situationen. Das macht meine Arbeit glaubwürdig. Und es lädt andere ein, ebenfalls ehrlich auf sich selbst zu schauen. Ich bin aber kein Guru. Wer einfache Antworten sucht, ist bei mir falsch. Wer hingegen bereit ist, gemeinsam auf die Suche zu gehen, kann spannende – und manchmal überraschende – Entdeckungen machen."

Was treibt dich bei deiner Arbeit als Trainer und Coach an?

"Meine Neugier. Ich finde es auch nach all den Jahren immer noch faszinierend, wie Menschen „ticken“. Woher kommen Blockaden? Warum entstehen bestimmte Denk- und Verhaltensmuster? Diese Neugier ist ansteckend. Menschen beginnen, sich selbst besser zu verstehen. Und genau darin liegt oft der Schlüssel für Veränderung."

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In den Trainings und Coachings triffst du auf ganz verschiedene Menschen und Herausforderungen. Welche Themen sind dir dabei besonders wichtig?

"Mich interessiert vor allem die Schnittstelle zwischen Menschen – also Kommunikation, Wirkung, Körpersprache, Führung und der Umgang mit Konflikten. Ein zentrales Lebensthema für mich ist außerdem der Energiehaushalt von Menschen. Seit vielen Jahren setze ich mich intensiv mit Burnout-Prozessen auseinander und habe dazu eigene Modelle und Seminare entwickelt. Besonders im Kontext von Führung stellt sich für mich immer wieder die Frage: Wie kann ich so führen, dass weder Mitarbeitende noch ich selbst in Erschöpfung geraten? Im Kern geht es dabei um eine grundlegende Herausforderung: Wie gelingt es, leistungsfähig zu bleiben, ohne sich selbst zu verlieren – und das eigene Leben gleichzeitig als sinnhaft zu erleben?"

Gibt es konkrete Ziele, die du mit deiner Arbeit erreichen möchtest?

"Ich möchte Menschen befähigen, ihr Leben und ihre Arbeit bewusst zu gestalten, also sich selbst zu führen, klare Entscheidungen zu treffen und die eigene Wirksamkeit zu erleben – verbunden mit einer wertschätzenden Haltung sich selbst gegenüber. Und vielleicht auch den Mut zu finden, ausgetretene Pfade zu verlassen. "

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Welche Werte bestimmen dabei dein Denken und Handeln?

"Ich arbeite nach dem Prinzip: „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Ich würde niemals jemandem sagen, was er oder sie zu tun hat. Mir ist wichtig, Menschen ernst zu nehmen – mit ihrer Geschichte, ihren Erfahrungen, ihrem Blick auf die Welt. Niemand ist objektiv. Jeder bringt seine eigene Perspektive mit. Und genau von dort aus beginnt Entwicklung."

Wo machst du keine Kompromisse?

"Wenn Systeme krank machen, bin ich raus. Ich erlebe oft, dass Unternehmen Symptome bekämpfen wollen, ohne die Ursachen anzuschauen. Dann sollen Mitarbeitende resilienter werden, während die Strukturen unverändert bleiben. Wenn ich sehe, dass auf Systemebene nicht hingeschaut wird, zeige ich das an und nehme im Zweifelsfall auch mal einen Auftrag nicht an."

„Ich möchte Menschen dabei helfen, in die eigene Wirksamkeit zu kommen, sich selbst zu führen und Entscheidungen bewusst zu treffen.“

Wer ist Roland Wagner als Mensch und wann geht es dir gut?

"Ich kann mich ziemlich gut an meiner eigenen Leidensfähigkeit erfreuen – wie viele Ausdauersportler. Sechs Stunden auf dem Rad? Gerne. Gleichzeitig brauche ich beides: Nähe zu Menschen und Rückzug. Am liebsten draußen in der Natur, etwa beim Fliegen, Radfahren oder einfach im Wald. Außerdem backe ich gerne Sauerteigbrot, spiele Gitarre, singe und bin ganz einfach gut drauf. "

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Und wenn du das einmal nicht sein kannst?

"Ich habe durchaus manchmal Weltschmerz und eine melancholische Seite. Dann lese ich gerne Lyrik und habe über die Jahre gelernt: Wenn es mir mal nicht so gut geht, ist das auch völlig okay."

Wofür engagierst du dich außerhalb von forma mentis?

"Beruflich habe ich mich mit meinem Unternehmen What if you fly? auf Burnout-Prävention und organisationale Resilienz spezialisiert, insbesondere auch in Führungsrollen. Ich arbeite mit Einzelpersonen, Teams und Organisationen – von Intensiv-Coachings bis zu Trainings und strategischer Beratung. Außerdem begleite ich Menschen in herausfordernden Kommunikationsrollen – vom CEO bis zum Richter. Privat gehören meine beiden Töchter zu meiner größten Freude. Und wenn ich nicht arbeite, findet man mich meistens draußen – beim Sport, im Garten oder beim Beobachten von Vögeln – das ist für mich die intensivste Form von Meditation."

Hast du ein Lebensmotto?

„Erfahrung ist wie eine Laterne, die du im Rücken trägst. Sie beleuchtet stets nur das Stück des Weges, das bereits hinter dir liegt.“

Das sagt Thomas über mich

"Roland und ich kennen uns seit 2006 aus unserer gemeinsamen Coaching-Ausbildung bei Dietz-Training. Über viele Jahre war der Kontakt vor allem privat geprägt – unter anderem durch unsere „Männer-Gruppe“, in der wir uns regelmäßig ausgetauscht und die beruflichen Entwicklungen des jeweils anderen begleitet haben.

Seit 2025 ist Roland nun Teil des forma mentis Teams. Durch seine Arbeit bei der ARD.ZDF Medienakademie und sein Burnout-Präventions-Programm bringt er spannende, zum Teil sehr spezielle Trainings-Skills mit, die auch bei unseren Kunden auf großes Interesse stoßen. Wir freuen uns sehr auf den gemeinsamen Weg und darauf, diese Zusammenarbeit weiter auszubauen."
Thomas Thielen