„Verhalten folgt der Haltung.“

Dr. Sabine Küsters

Im Gespräch mit Dr. Sabine Küsters, Projektmanagerin und Trainerin bei forma mentis

Vom Labor in den Trainingsraum: Dr. Sabine Küsters hat ursprünglich Biologie studiert und in biochemischer Pharmakologie promoviert. Heute begleitet sie Führungskräfte und Vertriebsteams in Pharma- und Wissenschaftsorganisationen bei Veränderungsprozessen. Ein Gespräch über Haltung, Neugier und darüber, warum echte Entwicklung selten in der Komfortzone beginnt.

Sabine, wie bist du Trainerin und Coach geworden?

"Mein Weg war alles andere als geradlinig, aber genau das macht ihn, glaube ich, wertvoll. Ursprünglich habe ich Biologie mit dem Schwerpunkt biochemische Pharmakologie studiert und in Konstanz promoviert. Danach habe ich zwei Jahre als Laborleiterin gearbeitet. Irgendwann habe ich gemerkt, dass mich die Arbeit mit Menschen stärker fasziniert als die Arbeit mit Molekülen."

Wie ging es dann weiter?

"Ich habe „die Seite gewechselt“ und bin in Unternehmen gegangen, die Forschung und Pharma unterstützen – zunächst ins Produktmanagement und Distributoren-Management; später auch in den Vertrieb und ins Business Development. In verschiedenen nationalen und internationalen Unternehmen habe ich viele Rollen erlebt: als Mitarbeiterin, als Führungskraft, in direkter und lateraler Führung. "

forma mentis · Coaching & Training · Interview mit Dr. Sabine Küsters

Das klingt sehr abwechslungsreich.

"Ja. Und in all diesen Rollen hat mich eine Frage begleitet: Was braucht mein Gegenüber, um ins Handeln zu kommen? Was blockiert? Und wie entsteht ein Raum, in dem echte Entwicklung möglich wird? Seit 2011 arbeite ich deshalb selbstständig als Trainerin, Coach und Beraterin – und habe diesen Schritt nie bereut."

Wie hilft dir dein Weg heute bei deiner Arbeit als Trainerin?

"Mein naturwissenschaftlicher Hintergrund hilft mir tatsächlich sehr: Ich denke strukturiert, analytisch und in Zusammenhängen. Gleichzeitig ist meine Begeisterung für wissenschaftliche und medizinische Themen nie verloren gegangen. Gerade im Pharma-Umfeld kann ich diese Perspektive gut einbringen. Außerdem bringe ich aus meiner Zeit in der Industrie ein sehr klares Verständnis für die Realität meiner Teilnehmenden mit. Ich kenne die Situation im Außendienst, die Herausforderungen von Führungskräften und die Dynamiken in internationalen Organisationen. Ich spreche die Sprache meiner Kunden, eben weil ich selbst aus dieser Welt komme."

„Die Teilnehmer spüren, dass ich auf ihrer Seite bin. Auch dann, wenn ich sie aus ihrer Komfortzone locke.“

Welcher Teil deiner Persönlichkeit hilft dir beruflich am meisten?

"Meine Neugier. Ich bin wirklich neugierig auf Menschen – auf ihre Geschichten, ihre Beweggründe, auf das, was sie antreibt. Das ist kein Trainertrick, sondern echtes Interesse. Und ich glaube, das merken die Menschen. Dazu kommt eine gewisse zugewandte Hartnäckigkeit. Wenn ich spüre, dass da noch mehr Potenzial steckt, bleibe ich dran. Freundlich, aber beharrlich."

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Warum sollten Kunden mit dir arbeiten?

"Ich komme nicht mit einem Standardtraining in den Raum, das ich einfach abspule. Wenn ich zum Beispiel ein Verkaufstraining für einen Außendienst konzipiere, weiß ich aus eigener Erfahrung, wie ein Gespräch abläuft, wo Einwände entstehen und wo die echten Hürden liegen. Das zweite, was mich ausmacht: Ich fordere heraus, ohne zu überfordern. Ich stelle unbequeme Fragen – was ich Musterbrecher-Fragen nenne – aber immer mit echtem Interesse an den Menschen dahinter. Die Teilnehmenden spüren, dass ich auf ihrer Seite bin. Auch dann, wenn ich sie aus ihrer Komfortzone locke."

Welche Themen bewegen dich aktuell besonders?

"Mir geht es vor allem um Transfer. Trainings sind nur dann wertvoll, wenn danach etwas anders gemacht wird. Inhaltlich beschäftige ich mich derzeit viel mit wirkungsvollen Gesprächen im Pharma-Umfeld, mit kniffeligen Mitarbeitergesprächen und mit der Frage, wie Führungskräfte eine Kultur schaffen können, in der Verantwortung nicht als Druck, sondern als Haltung verstanden wird."

Haltung spielt also für dich eine zentrale Rolle?

"Ja. Das passt auch wunderbar zum Namen forma mentis. Ich bin überzeugt, dass Verhalten immer aus der inneren Haltung entsteht. Man kann jemandem noch so viele Kommunikationsmodelle beibringen: Wenn die Haltung nicht stimmt, wirkt es weder authentisch noch ist es nachhaltig."

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„Ich liebe es, wenn der Groschen fällt und mein Training Wirkung erzielt.“

Was liebst du an deiner Arbeit am meisten?

"Diese Momente, wenn bei jemandem plötzlich der Groschen fällt. Wenn eine Führungskraft versteht, warum ein Mitarbeitergespräch bisher nicht funktioniert hat. Oder wenn jemand aus dem Außendienst nach einem Coaching sagt: „Das war das erste Mal, dass der Arzt mir wirklich zugehört hat.“ Diese Momente sind so wertvoll."

Gibt es auch Aspekte an deinem Job, die dir weniger gut gefallen?

"Schwierig wird es für mich, wenn Menschen überhaupt nicht bereit sind, auf sich selbst zu schauen. Natürlich hat jeder das Recht, sich nicht verändern zu wollen. Jeder Mensch ist der Souverän seines eigenen Denkens. Das entspricht auch meinem konstruktivistischen Weltbild. Aber wenn ich sehe, dass jemand eigentlich könnte, wenn er nur wollte, dann bleibt manchmal ein leises Bedauern über eine verpasste Chance."

„Ich möchte keinen Trainingstourismus, sondern Raum für echte Entwicklung schaffen.“

Wo machst du keine Kompromisse?

"Bei der Qualität. Wenn Auftraggeber zwar ein Training durchführen möchten, aber nicht bereit sind, Raum für echte Entwicklung zu schaffen, spreche ich das offen an. Ich mache keinen „Trainingstourismus“ – ein Workshop und danach weiter wie bisher. Entwicklung braucht Reflexion, Nachhalten und Iteration. Wenn Auftraggeber das verstanden haben und gemeinsam mit uns gute Programme entwickeln wollen, entsteht dagegen eine Zusammenarbeit, hinter der alle mit voller Überzeugung stehen können."

Wie würdest du deine eigene Persönlichkeit beschreiben?

"Ich habe einen starken Gerechtigkeitssinn und den Anspruch, möglichst kongruent zu sein – dass also das, was ich sage, und das, was ich tue, zusammenpasst. Und wenn mir etwas ungerecht erscheint, fällt es mir schwer, still zu bleiben."

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Woran merkt man, dass es dir gut geht?

"Dann bin ich gelöst und humorvoll. Die Energie ist spürbar und meistens auch ansteckend. Ich habe Lust, Dinge anzupacken und Menschen um mich zu haben. Wenn ich vor einer Gruppe stehe und merke, dass sich etwas bewegt. Wenn aus „Schon wieder ein Training“ plötzlich „Okay, das bringt mir wirklich etwas“ wird. Dieser Moment, in dem die Energie im Raum kippt – genau dann bin ich voll da."

Warum hast du dich für forma mentis entschieden?

"Der Name sagt eigentlich schon alles: Geisteshaltung. Bei forma mentis steht die Haltung vor der Methode – und das entspricht genau meinem eigenen Ansatz. Es ist kein loser Trainerpool, sondern eine Gemeinschaft von Partnern, die ähnlich ticken. Und ich schätze besonders, wie Thomas Projekte denkt: immer als Win-Win-Win. Was brauchen unsere Auftraggeber? Was brauchen die Teilnehmenden? Und was brauchen wir Trainer, um wirksam arbeiten zu können? Wenn diese drei Perspektiven zusammenpassen, entsteht wirklich gute Arbeit."

Von forma mentis einmal abgesehen: Wofür engagierst du dich sonst?

"Neben meiner Arbeit für forma mentis führe ich mein eigenes Unternehmen, Sabine Küsters Training & Consulting. Außerdem engagiere ich mich als Mentorin im Selma-Meyer-Mentoringprogramm der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und begleite dort Doktorandinnen auf ihrem Karriereweg. Diese Arbeit liegt mir sehr am Herzen – vielleicht auch, weil ich während meiner eigenen Promotion durch das eine oder andere Tal der Tränen gegangen bin."

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Und privat?

"Ich bin sehr gerne draußen unterwegs – auf dem Fahrrad, beim Wandern oder Laufen. Gerade habe ich außerdem Badminton wieder für mich entdeckt. Wenn das Wetter nicht mitspielt, gibt es Yoga oder Krafttraining. Und manchmal klackern auch einfach die Stricknadeln. Das ist mein persönliches Gegenprogramm zum aktiven Alltag. Außerdem liebe ich gute Krimis und Thriller. Momentan verschlinge ich die Hawthorne-Reihe von Anthony Horowitz."

Hast du eine Art Lebensmotto?

„Mit Esprit und Anspruch.“

Das sagt Thomas über mich

"Sabine wurde uns 2016 von mehreren Trainer-Kolleginnen empfohlen, als wir für ein Großprojekt Sales-Trainer mit Pharma-Expertise gesucht haben – eine Empfehlung, die sich absolut bestätigt hat. Spätestens seit der Corona-Zeit ist sie ein unverzichtbarer Teil unseres Teams. Gerade in dieser herausfordernden Phase hat sie mit ihrer Erfahrung in digitalen Formaten und ihrem souveränen, fast spielerischen Umgang mit technischen Tools echten Mehrwert geschaffen. Besonders schätze ich den strategischen Austausch mit ihr: Durch ihre große Erfahrung – auch in internationalen Trainer-Netzwerken – ist sie eine wertvolle Sparringspartnerin bei Fragen rund um Projektmanagement und die Zusammenarbeit mit freiberuflichen Partnern."
Thomas Thielen