Vom Blended-Learning-Pionier
Thomas Thielen über die Geschichte von forma mentis
Wenn Thomas Thielen über die Historie von forma mentis spricht, beginnt sie nicht mit einem Businessplan, einer Marktanalyse oder einem perfekt ausgearbeiteten Gründungskonzept. Sie beginnt in Ligurien. Genauer gesagt: 2004 bei einem Vertriebspartnertreffen in Perinaldo. Im Interview erzählt Thomas Thielen, welches Projekt zur Initialzündung wurde, welche Rolle SPIN®-Selling, Pharma-Projekte und die Corona-Pandemie gespielt haben – und warum forma mentis längst nicht mehr einfach „Thomas mit Team“ ist.
Thomas, wann entstand der erste Impuls für forma mentis?
„Der erste Impuls kam tatsächlich schon 2004. Damals hatte Günter Greff, einer der Telemarketing-Pioniere in Deutschland, zu einem Vertriebspartnertreffen nach Perinaldo in Ligurien eingeladen. Dort habe ich Markus Grunwald getroffen, der zu dieser Zeit Gründer und Inhaber der mindmedia GmbH in Augsburg war. Wir haben ziemlich schnell gemerkt, dass wir gut zusammenpassen und gerne intensiver zusammenarbeiten würden. Ich war damals noch Trainer und Gründungspartner beim Trainernetzwerk partnerteams. Aus dieser ersten Begegnung ist zunächst noch kein Unternehmen entstanden, aber sie war der Anfang von allem.“
Was wurde dann zur eigentlichen Initialzündung?
„Das war 2006 ein großes Blended-Learning-Projekt bei der T-Punkt Vertriebsgesellschaft. Wir haben damals ein Projekt für rund 5.500 Mitarbeitende mit 28 Trainer:innen organisiert. Das war schon eine Hausnummer. Man muss sich vorstellen: Damals wusste kaum jemand, was Blended Learning überhaupt ist. Wir haben E-Learnings mit klassischen Präsenztrainings kombiniert – also etwas gemacht, das heute in vielen Unternehmen selbstverständlich ist, damals aber noch ziemlich neu war. Das Projekt war sehr erfolgreich. Und es hat uns gezeigt: Da steckt richtig viel Potenzial drin. Wir hatten Lust auf mehr. Deshalb haben wir 2007 als Spin-off zur mindmedia GmbH, die auf E-Learning spezialisiert war, gemeinsam die mindmedia.LIVE GmbH gegründet – mit dem Schwerpunkt Präsenztrainings.“
Aus mindmedia.LIVE wurde später forma mentis. Wie kam es dazu?
„2010 hat sich die mindmedia GmbH mit der Know How! AG zusammengeschlossen. Dadurch machte der Name mindmedia.LIVE für uns nicht mehr wirklich Sinn. Auch der Sitz in Augsburg passte nicht mehr zu unserer weiteren Entwicklung. Deshalb haben wir uns neu aufgestellt. Seit dem 1. Januar 2010 firmieren wir als forma mentis GmbH und sind an meinen Standort im Rhein-Sieg-Kreis umgezogen. In gewisser Weise war das der Moment, in dem aus der ursprünglichen Projektidee endgültig eine eigenständige Unternehmensidentität wurde.“
„Für uns geht es im Vertrieb nie darum, Menschen etwas aufzudrücken. Es geht darum, Kunden wirklich zu verstehen, gute Fragen zu stellen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.“
Thomas Thielen
Welche Meilensteine haben forma mentis besonders geprägt?
„Ein ganz wichtiger Meilenstein war unsere langjährige Kooperation mit Huthwaite International (UK) – als Trainer und Vertriebspartner für SPIN®-Selling. Dieser Zusammenarbeit verdanken wir sehr viel. Zum einen war sie unser Einstieg in die Pharma-Branche. Unsere ersten Pharma-Trainings waren SPIN-Trainings. Zum anderen waren wir durch Huthwaite immer wieder in große Projekte eingebunden. Ich habe in dieser Zeit unglaublich viel über Projektmanagement gelernt. Und nicht zuletzt hat diese Kooperation unsere Grundhaltung zum Thema Vertrieb stark geprägt.“
Was meinst du mit Grundhaltung im Vertrieb?
„Für uns geht es im Vertrieb nie darum, Menschen etwas aufzudrücken. Es geht darum, Kund:innen wirklich zu verstehen, gute Fragen zu stellen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Genau diese Haltung steckt sehr stark in SPIN®-Selling – und sie passt bis heute zu forma mentis. Deshalb war diese Zeit für uns so wichtig. Sie hat nicht nur unser methodisches Know-how erweitert, sondern auch unser Selbstverständnis als Trainings- und Beratungsunternehmen geschärft.“
2019 habt ihr die Kooperation mit Huthwaite beendet. Warum?
„Das hatte keine dramatischen Gründe. Wir hatten inzwischen einfach so viele Direktkund:innen, dass wir nicht mehr genügend Ressourcen bereitstellen konnten. Außerdem wurde die administrative Abwicklung durch den Brexit nicht gerade einfacher. Aber die Zusammenarbeit hat uns Türen geöffnet. Durch unsere Erfahrungen als deutsche Trainer:innen in internationalen Teams wurden wir später auch anderen britischen und amerikanischen Beratungen als deutscher Partner empfohlen. So haben wir zum Beispiel Projekte für Imparta, mentorgroup und andere Consultancies umgesetzt.“
Gab es auch persönliche Entwicklungsschritte, die forma mentis geprägt haben?
„Ja, absolut. Ein sehr wichtiger Meilenstein für mich war der Abschluss meiner Coaching-Ausbildung „Psychologie der Veränderung“ bei Dietz-Coaching 2008 im Kloster Seeon. Diese Ausbildung hat mich stark geprägt. Einige unserer heutigen Teampartner habe ich dort oder in den vielen Aufbaumodulen kennengelernt. Andere habe ich später motiviert, diese Ausbildung ebenfalls zu machen. Bis heute verbindet uns mit Dietz-Training und Dietz-Coaching ein freundschaftlicher Kontakt. Für forma mentis war das sehr wertvoll, weil es unseren Blick erweitert hat. Neben Vertriebsmethodik und Training ging es immer stärker auch um Veränderungsprozesse, Haltung, Persönlichkeit und die Frage: Was brauchen Menschen wirklich, damit Entwicklung gelingt?“
„Corona war für uns ein wichtiger Meilenstein – wenn auch kein angenehmer.“
Thomas Thielen
Dann kam 2020 Corona. Was bedeutete die Pandemie für forma mentis?
„Corona war definitiv ein weiterer großer Meilenstein – wenn auch erst einmal kein angenehmer. Wir waren ein erfolgsverwöhntes Trainingsunternehmen. Noch im Januar 2020 haben wir bei einem Trainertreffen darüber gesprochen, dass wir uns stärker mit virtuellen Trainings und neuen Tools beschäftigen müssten, wenn wir unserem Anspruch als Blended-Learning-Agentur gerecht bleiben wollten. Kurz danach war plötzlich alles anders. 2019 hatten wir etwa 75 Prozent unseres Umsatzes mit Vertriebstrainings bei Pharma-Unternehmen gemacht. Diese Branche hat sehr früh den Ernst der Lage erkannt und persönliche Kontakte zu Kunden oder in Trainings massiv eingeschränkt. Unsere Auftragsbücher sackten kurzfristig auf Null.“
Wie seid ihr damit umgegangen?
„Wir mussten extrem schnell reagieren. Gemeinsam mit einem Großkunden haben wir in kürzester Zeit virtuelle Trainings entwickelt, die Vertriebsmitarbeitende dabei unterstützt haben, aus dem Homeoffice heraus Kundenkontakte zu gestalten. Im Grunde sind wir damals in Hochgeschwindigkeit durch unsere eigene digitale Transformation gelaufen. Das war anstrengend, aber auch unglaublich wichtig. Es hat uns neue Märkte erschlossen und uns als Team enger zusammengeschweißt. Bereits im April und Mai 2020 hatten wir rund 400 Teilnehmende in virtuellen Trainings geschult. Wenn ich ganz ehrlich bin, sind wir erst durch Corona zu einer echten Blended-Learning-Akademie geworden.“
An welche Projekte erinnerst du dich besonders gerne?
„Vor allem an die großen Projekte. Also an die Projekte, bei denen wir als Team richtig gefordert waren und oft sogar neue Trainer:innen rekrutieren mussten, um sie überhaupt umsetzen zu können. Ein Beispiel ist ein Blended-Learning-Projekt 2012 bei INTERSPORT in Kooperation mit der Know How! AG. Wir haben damals im Rahmen einer Multichannel-Initiative mit 15 Trainer:innen innerhalb von zwei Wochen rund 50 Kick-off-Workshops durchgeführt. Danach folgten innerhalb von drei Monaten etwa 70 Regional-Workshops. Solche Projekte vergisst man nicht. Ähnlich war es 2017 bei einem Product Launch für Chiesi. Da haben wir relativ kurzfristig mit 24 Trainern diverse Workshops umgesetzt. Das sind intensive Phasen, aber genau solche Projekte machen auch besonders viel Spaß.“
Warum gerade diese großen Projekte?
„Weil sie zeigen, was möglich ist, wenn viele Menschen gemeinsam an einem Strang ziehen. Natürlich trainiere ich selbst nach wie vor gerne. Aber am meisten Freude machen mir tatsächlich die Projekte, bei denen wir als Team gemeinsam im Einsatz sind. Meine Rolle liegt dann oft stärker im Projektmanagement. Ich sorge dafür, dass die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind, dass Inhalte passen, dass die Qualität stimmt und dass am Ende alles funktioniert. Wenn das gelingt, ist das schon ein sehr gutes Gefühl.“
Gab es auch Projekte, die inhaltlich besonders Eindruck gemacht haben?
„Ja, zum Beispiel unser erstes Training im Tandem mit Seminarschauspielern. Das werde ich sicher nie vergessen. Diese Arbeit ist noch einmal etwas ganz anderes, weil sie Trainingssituationen unglaublich lebendig und realitätsnah macht. Oder ganz aktuell: Im vergangenen Jahr haben wir bei einem Kunden verschiedene Videos zu Modellen gedreht, die in Trainings eingesetzt werden. Unsere Trainer:innen sind es gewohnt, kurze Lernvideos als Lern-Nuggets aufzuzeichnen. Aber eine Videoproduktion mit Kundenmitarbeitenden, die ihren Text per Teleprompter sprechen, war noch einmal eine andere Herausforderung. Das hat aber allen viel Spaß gemacht.“
Du bist in diesem Jahr 60 geworden. Wie lange wird es forma mentis noch geben?
„forma mentis ist schon lange nicht mehr einfach nur „Thomas mit Team“. Wir haben die Weichen so gestellt, dass forma mentis auch dann weiterbestehen kann, wenn ich selbst irgendwann nicht mehr kann oder nicht mehr möchte. Ich brenne nach wie vor für das Unternehmen, für mein Team und für unsere Kund:innen. Aber ich habe im letzten Jahr durch einen Einschlag im familiären Umfeld auch gesehen, dass Gesundheit und Wollen keine Selbstverständlichkeit sind. Gerade deshalb freue ich mich sehr darüber, dass wir Jahr für Jahr kontinuierlich wachsen. forma mentis ist heute breit aufgestellt, mit starken Partner:innen im Team und einer gemeinsamen Haltung. Das gibt mir ein gutes Gefühl für die Zukunft.“
„Wir haben uns selbst immer wieder verändert – damit wir andere gut durch Veränderung begleiten können.“
Thomas Thielen
Wenn du auf die Geschichte von forma mentis blickst: Was macht dich besonders stolz?
„Dass wir uns immer weiterentwickelt haben, ohne unseren Kern zu verlieren. Wir sind aus einem Blended-Learning-Projekt entstanden, haben uns über große Vertriebsprojekte, internationale Kooperationen, Coaching und digitale Formate weiterentwickelt und sind heute eine moderne Trainingsakademie. Aber bei allem Wandel ist eines gleich geblieben: Es geht immer um Menschen. Um Entwicklung. Um wirksame Kommunikation. Um die Frage, wie Veränderung wirklich gelingt. Und vielleicht ist genau das die Geschichte von forma mentis: Wir haben uns selbst immer wieder verändert – damit wir andere gut durch Veränderung begleiten können.“