„Meine Aufgabe ist es, Räume zu schaffen, in denen Menschen aufblühen.“

Dr. Teresa Keller

Interview mit Teresa Keller von forma mentis

Menschen stärken, Perspektiven erweitern und Veränderung möglich machen – das ist der Antrieb von Teresa Keller bei forma mentis. Ihr Weg führte sie von der Betriebswirtschaft über internationale Stationen bis hin zur Promotion in Philosophie und schließlich in die Coaching- und Trainingsarbeit. Heute begleitet sie Führungskräfte und Teams in anspruchsvollen Situationen und schafft Räume, in denen Entwicklung wirklich stattfinden kann. Im Interview spricht sie über ihre Haltung, ihre Arbeit und darüber, warum Vielfalt eine der größten Ressourcen überhaupt ist.

„Mich hat immer berührt, wenn Menschen durch einen kleinen Impuls plötzlich etwas in sich entdecken, das sie selbst noch nicht gesehen haben.“

Teresa, wie bist du Trainerin und Coachin geworden?

"Ich glaube, der Ursprung liegt viel weiter zurück, als man zunächst denkt. Als Jugendliche habe ich viel Zeit in einem Zentrum für junge Menschen mit körperlicher Einschränkung verbracht. Dort habe ich gemerkt, dass ich einen guten Zugang zu Menschen habe und dass ich sie dabei unterstützen kann, Dinge in sich zu entdecken, die sie selbst vielleicht noch gar nicht sehen konnten. Das hat mich sehr berührt. Eigentlich wollte ich Ärztin werden. Das hat nicht geklappt – aber der eigentliche Impuls ist geblieben: der Wunsch, Menschen zu stärken und sie in ihrer Entwicklung zu begleiten."

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Wie sah dein weiterer Weg aus?

"Ich habe BWL in München studiert und bin danach erst einmal ins Ausland gegangen – ein Jahr nach Paris, ein Jahr nach New York. Anschließend habe ich für eine Schweizer Unternehmensberatung gearbeitet. Ein echter Wendepunkt war für mich meine Promotion in Philosophie, mit dem Schwerpunkt interkulturelle Kommunikation. Dort habe ich etwas gelernt, das mich bis heute prägt: Es gibt kein „Normal“. Unterschiedlichkeit ist keine Herausforderung – sie ist eine Ressource. Diese Erkenntnis verändert den Blick auf Zusammenarbeit komplett. Sie macht offener, neugieriger und weniger bewertend. Parallel habe ich angefangen zu unterrichten, mich weiterzubilden – im Coaching, in der Positiven Psychologie und in Methoden wie Dynamic Facilitation. Dabei handelt es sich um eine lösungsfokussierte Moderationsmethode. Sie wird eingesetzt, um in komplexen, emotionalen oder festgefahrenen Konfliktsituationen durch einen „kreativen Durchbruch“ innovative Lösungen zu finden. Heute blicke ich auf fast 20 Jahre Erfahrung zurück. Und ehrlich gesagt: Auch meine Familie war ein wunderbares Trainingsfeld. Manchmal weiß ich gar nicht, wer mehr davon profitiert hat."

Warum hast du dich dazu entschieden, ein Teil von forma mentis zu werden?

"Für mich ist es ein Netzwerk ohne Machtspielchen. Offen, transparent und respektvoll. Ich arbeite unglaublich gerne mit diesem Team zusammen, weil ich weiß: Jeder gibt sein Bestes und alle teilen ihr Wissen und ihre Erfahrung miteinander."

Was zeichnet deine Arbeit bei forma mentis heute besonders aus?

"Ich arbeite viel im Bereich stärkenorientierte Führung und werde oft dann gerufen, wenn es komplexer wird – bei Konflikten, in Mediationen oder bei Themen wie Resilienz und Kommunikation. Was mir hilft: Ich bringe Erfahrung aus unterschiedlichen Branchen mit – von Pharma über Versicherungen bis hin zu Produktionsbetrieben. Dadurch kann ich mich schnell auf neue Kontexte einstellen. Und: Ich arbeite nicht mit starren Konzepten. Natürlich bereite ich mich vor, aber ich vertraue dem Prozess. Wenn ich merke, dass im Raum gerade etwas anderes wichtig ist, dann folge ich dem. Genau dort entstehen oft die entscheidenden Entwicklungsschritte."

Gibt es Themen, die dich besonders bewegen oder berühren?

"Unternehmen stehen unter enormem Druck – und Führungskräfte ganz besonders. Zeitdruck, Zielvorgaben und Routinen führen oft dazu, dass sie in einen Defizitmodus geraten. Deshalb ist mir der Transfer in die Praxis so wichtig. Es geht nicht um schöne Workshop-Momente, sondern darum, dass sich im Alltag wirklich etwas verändert. "

Was möchtest du mit deiner Arbeit bewirken?

"Ich möchte, dass sich etwas bewegt. Dass Menschen alte Muster hinterfragen, neue Perspektiven einnehmen und ins Handeln kommen. Wenn Teams sagen: „Wir haben uns noch nie so sehr als Team gefühlt wie heute“, dann ist das für mich unglaublich erfüllend. Genau darum geht es – mehr Verständnis, mehr Verbindung und mehr Wirksamkeit."

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„Selbstreflexion und Selbstführung brauchen Zeit. Neben den Workshops sind meine Bücher eine gute Gelegenheit, sich genau diese Zeit zu nehmen – ohne die Hektik der digitalen Welt.“

Du hast auch einige Bücher veröffentlicht…

"Genau. Wer mehr über Persönlichkeitsentwicklung, Führung oder wertvolle Methoden erfahren möchte, kann sich hier tief in die Materie einlesen. Mein Buch „Persönliche Stärken erkennen und trainieren“ etwa hilft, die eigenen Potenziale zu entdecken und vor allem gezielt einzusetzen. Die Arbeit an den Büchern hat mir viel Freude bereitet und ich werde sicher weitere Werke veröffentlichen."

Welche Haltung ist dir bei deiner Arbeit besonders wichtig?

"Fairness, Ehrlichkeit und echtes Miteinander. Ich glaube zutiefst daran, dass in jedem Menschen bereits alles angelegt ist, was er für seine Entwicklung braucht. Meine Aufgabe ist es, Räume zu schaffen, in denen das sichtbar wird."

Was liebst du an deinem Job – und was eher nicht?

"Der rote Faden meiner Arbeit ist das Konzept des „Flourishing“ – also des Aufblühens. Mich interessiert, was Menschen in ihre Kraft bringt, wann sie sich als wirksam erleben und welchen Sinn sie in ihrem Tun finden. Ich sehe so oft, dass Menschen viel mehr in sich tragen, als sie selbst glauben. Genau das sichtbar zu machen, ist meine Aufgabe. Schwierig wird es für mich, wenn Fairness und Wertschätzung fehlen – wenn Menschen nicht auf Augenhöhe miteinander umgehen."

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„Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie herausfordernd es sein kann, Beruf und Familie zu vereinbaren.“

Gibt es Dinge, bei denen du keine Kompromisse machst?

"Ja – beim Thema Gerechtigkeit. Nicht im Sinne von „alle bekommen das Gleiche“, sondern im Sinne von: Jeder Mensch hat das Recht, gesehen zu werden und sein Potenzial zu entfalten. Gerade auch im Hinblick auf Gleichberechtigung ist mir das sehr wichtig. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie herausfordernd es sein kann, Beruf und Familie zu vereinbaren."

Wie würdest du dich selbst als Mensch beschreiben?

"Ich bringe viel Energie mit und eine große Neugier auf Menschen und Situationen. Ich liebe es, neue Perspektiven zu entdecken und mich auf Unbekanntes einzulassen. Wenn es mir gut geht, merkt man das an einer ruhigen, zufriedenen Präsenz und daran, dass ich ganz im Moment bin."

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Wann bist du voll in deiner Kraft?

"Wenn ich die Wirkung meiner Arbeit spüre. Wenn ich sehe, dass sich etwas verändert und dass ich einen Beitrag leisten konnte. Da spüre ich meine Wirksamkeit und das motiviert mich."

Wie sieht dein Leben außerhalb der Arbeit aus?

"Beruflich arbeite ich viel in der Organisationsentwicklung und begleite Veränderungsprozesse. Besonders prägend war für mich ein großes Projekt mit 180 Führungskräften, die ihren Führungsstil weiterentwickelt haben. Privat liebe ich Vielfalt – aktuell zum Beispiel in meinem Gewächshaus mit 30 verschiedenen Tomatensorten. Jede ist anders. Genau wie die Menschen und Organisationen, mit denen ich arbeite. Und genau das macht es für mich so spannend."

Zum Abschluss: Hast du ein Motto, das dich begleitet?Zum Abschluss: Hast du ein Motto, das dich begleitet?

Ja, ein Zitat von Helen Keller: „Das Leben ist entweder ein gewagtes Abenteuer oder nichts.“ Das passt ziemlich gut zu mir und zu meiner Arbeit.

Das sagt Thomas über mich

"Teresa habe ich 2015 bei einem Alumni-Treffen von Dietz-Training kennengelernt. Bis dahin hatten wir schon viel voneinander gehört, aber uns noch nie persönlich getroffen. Seitdem ist sie bei Kunden und im Team ein gern gesehenes Mitglied mit unterschiedlichen Schwerpunkten in Training und Coaching. Gerade in der Corona-Zeit, als wir uns komplett neu aufstellen mussten, hat sie sich auch konzeptionell stark eingebracht. Sie ist offen für neue Ideen und überzeugt dann durch Klarheit und Kontinuität in der Umsetzung. Was Teresa trainiert und coacht, lebt sie selbst konsequent vor. Diese innere Stringenz spürt man sofort, und sie zeigt sich auch darin, dass sie ihre Themen in erfolgreichen Büchern fundiert und zugänglich gemacht hat."
Thomas Thielen